Verspätetes Winterglück im Elbsandsteingebirge

Den ganzen Winter habe ich sehnsüchtig Bilder des verschneiten Elbsandsteingebirges angeschaut. Selber kam ich aber nie in den Genuss – irgendetwas war immer. Kein Schnee, Ausgangsbeschränkungen oder es fühlte sich einfach nicht richtig an. Und so harrten wir seit Ok-tober zu Hause aus. Die Jahreszeiten vergingen, der Winter verabschiedete sich langsam aber sicher und die Hoffnung auf die bezuckerten Gipfel der sächsischen Schweiz wurden schließlich begraben. Ich war zwischenzeitlich nur noch unerträglich, frustriert, genervt und unendlich traurig… die heimischen Wälder schienen meine Stimmung auch nicht groß zu heben. Es fehlte einfach die Abwechslung — zwischen Arbeit, Hausbau und kurzen Abstechern in die Natur fühlte ich mich gefangen in der ewigen Gleichheit und im nun gänzlich eingekehrten Alltagstrott.  Am letzten Wochenende fasste ich dann den Entschluss, dass es so nicht weitergehen konnte. Und so begaben wir uns am Samstag auf unsere erste „Reise“ des Jahres.

Geplant war eine frühlingshafte Wanderung im Elbsandsteingebirge — das hatte für uns aber eine besondere Überraschung vorbereitet.

 

Allein das Rucksackpacken und die Autofahrt waren nach der langen Zeit etwas so Besonderes. Ich wünschte nur, ich hätte mich dabei nicht wie ein Schwerverbrecher gefühlt. Dabei waren wir nur auf dem Weg ins 1,5 Stunden Autofahrt entfernte Elbsandsteingebirge… Wir hatten vollgetankt, genug Verpflegung und Wechselsachen dabei und waren früh dran, um möglichst keinen Kontakt zu anderen Menschen zu haben…und trotzdem fühlte ich mich irgendwie schuldig… ich wünschte manchmal, mir wäre auch alles so egal wie so vielen anderen.

All‘ diese Gedanken waren aber verflogen, sobald ich das Auto geparkt hatte. Das Kirnitzschtal präsentierte sich zu meiner völligen Begeisterung in seinem schönsten Winterkleid und die Sonne ließ alles glitzern. Und so ging es für uns für 26 km durch unerwartet viel Schnee, mit einem stetigen Wechsel aus Schneesturm und Sonnenzauber als Begleitung, von Aussicht zu Aussicht, über einsame Pfade und durch einen Winterwald wie aus dem Märchenbuch.

Es tat so gut. Genau das hatte ich gebraucht… irgendwie hatte an diesem Tag alles gestimmt. Ich weiß nicht, wie lange ich es vorher noch in diesem ewigen Strudel ausgehalten hätte… ich weiß nur, dass dieser eine Tag mir so viel Kraft gegeben, meine Batterien ein kleines bisschen wieder aufgeladen und mir ein wenig Freude und Hoffnung zurückgebracht haben.

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