Trailrunning auf dem Forststeig oder: Survivaltraining im Elbsandsteingebirge

Spontane Entscheidungen.

Entweder entpuppen sie sich als super gute Idee, oder manchmal auch als blödester Plan aller Zeiten. Meine spontane Trailrunning-Tour im Elbsandsteingebirge war im Endeffekt irgendetwas dazwischen… Und am Ende des Tages hatte ich auf jeden Fall etwas zu erzählen!

Zur Zeit habe ich wieder voll Feuer für’s Trailrunning gefangen. Bei mir dreht sich gerade gefühlt alles nur noch um’s Rennen, Rennen, Rennen… Geschuldet ist das nicht zuletzt der Tatsache, dass ich einen Startplatz für den Zugspitz-Ultratrail gewonnen habe, inklusive vorherigem Training mit Philipp Reiter, Ausrüstung und so weiter. Als in der letzten Woche dann die (zugegebenermaßen…auch erwartete…) Absage des ZUT 2021 kam, war die ganze Motivation und das ganze Feuer wie weggeblasen. Ich suhlte mich in Trauer, Enttäuschung, Frustration… das Wochenende kam und ich war immer noch demotiviert und traurig. Als wir am Samstagmorgen draußen beim Frühstück saßen, fasste ich den Entschluss: das geht so nicht. Wenn ich nicht sofort etwas mache, geht das immer so weiter und ich werde nur noch unglücklicher. Also entschied ich spontan, meine Sachen zu packen und ins Elbsandsteingebirge zu fahren. Und nicht zum Wandern, sondern zum Rennen. Wenn schon, denn schon.
Eine Route hatte ich auch noch nicht so richtig im Kopf – ich hatte zwar ein paar Touren angefangen zu planen, aber scheiterte dann stets an ziemlich vielen, derzeit unpassierbaren Wegen (unbedingt vorher gucken, ob eure geplanten Wege auch offen sind, z.B. bei Outdoor-Active! Durch den starken Borkenkäferbefall und Sturmschäden sind einige Wege gesperrt.) und, ja ich gebe es zu, dann auch wieder an der coronabedingten chronischen Unlust.

Den Pfaffenstein bewunderte ich an diesem Tag nur aus der Ferne

Naja, auf jeden Fall verfrachtete ich Hund, ein bisschen Verpflegung und mich ins Auto und los ging es! Mein Freund bekam die ehrenvolle Aufgabe, mir eine Route zu planen und mir dann zuzuschicken – was könnte schon schief gehen!
Startpunkt war für diesen Tag (laut der zwischenzeitlich übermittelten fertigen Tourenplanung :D) das Örtchen Pfaffendorf. Ich ergatterte die letzte freie Lücke auf dem Wanderparkplatz in Spuckweite des Pfaffensteins. Überall wimmelte es von Menschen und zum Pfaffenstein schlängelte sich eine regelrechte Karawane an Wanderern… Gut, dass das heute (scheinbar) nicht mein Ziel war! Geplant war nämlich, den Großteil unserer Tour entlang des Forststeigs zu laufen. Ich schulterte den Trailrucksack, machte Kenai startklar und ab ging die wilde Fahrt!
Ich bog auf dem Weg zum Pfaffenstein gleich rechts ab und war nach etwa 2 Minuten völlig allein. Weiter ging es zu unserer ersten Station: dem Quirl. Schon bei den ersten leichten An-stiegen im Wald dachte ich, der Flachlandtiroler: „Na da hast du dir aber was Schönes vorgenommen.“ Es ging vorbei an Baumannhöhle, Biwakhöhle, Diebskeller und Kletterhöhle, die ich jeweils mit einem ehrfürchtigen Blick streifte, aber lieber doch auf den recht anspruchsvollen Weg achtete. Auf dem Quirl verlief der schmale Trail durch Büsche, über kleine Baumstämme, vorbei an einer Aussicht und dann auf meiner ersten Downhillpassage des Tages auf Kopfsteinpflaster (!!) wieder herrunter.

Immer entlang des Forststeigs ging es einige Kilometer weiter, bis ich mich dann für kurze Zeit vom Forststeig trennen musste, um eine Runde und keine One-Way-Tour zu laufen… Leider war auf der Tourenkarte bei Outdooractive nicht zu erkennen, auf welchem Weg man gerade läuft und aufgrund mangelnder Kommunikation war mir auch nicht klar, wann ich dem Forststeig nun bedingungslos folgen kann, oder doch lieber einen nervigen Blick auf das Handy werfen muss. Naja, auf jeden Fall landete ich dann irgendwann am Spitzstein, wo ich aber durch den Wald schon mindestens 10 Wanderer am Aufstieg erspähen konnte und ihn deswegen für diesen Tag lieber links liegen ließ. An der Kreuzung stieß ich dann, für mich überraschend, wieder auf den Forststeig. Dieser verzauberte mich mit wunderschönen kleinen Pfaden, tollen seichten Downhillpassagen und völliger Menschenleere. Auf dem ein paar Kilometer später folgenden Lorenzstein verbrachte ich dann mutterseelenallein eine kurze Mittagspause und war ganz verzaubert von der tollen Aussicht und den Trails der vergangenen Stunden. Für mich ist die Runde um den und am Lorenzstein das klare Highlight des Tages gewesen! Und weil es ja nicht so perfekt laufen kann, funktionierte von da an die Outdooractive-App nicht mehr. Sie lud einfach die Tour nicht mehr. Geistesgegenwärtig hatte ich vor dem Start noch einen Screenshot von der Route im Ganzen gemacht, so dass ich jetzt die ungefähre „Form“ noch mit der (zu dem Zeitpunkt noch) funktionierenden Karte abgleichen und den richtigen Weg erahnen konnte. Zur Erinnerung: ich wusste ja nicht, dass ich mich nur an die Markierungen des Forststeigs halten muss. Naja, jedenfalls ging es von hier an bergab, also so emotional.

Ich will euch auch nicht weiter mit Wegbeschreibungen langweilen – die wären von hier an auch mehr als zweifelhaft nachzuverfolgen. Nur so viel: den (vorerst) absoluten Tiefpunkt erreichte ich als ich feststellte, dass ich etwa eine halbe Stunde im Kreis gelaufen war (ein Papierschnipsel auf dem Boden und der dann doch seltsam bekannte Weg verrieten mir das), da mein GPS und die Karte nicht mehr richtig funktionierten. Auch näherte sich mein mittlerweile viel zu alter Handyakku unaufhörlich dem Nullpunkt. Ich hatte zwar eine Papierkarte dabei, aber auf der waren diese kleinen Pfade, auf denen ich da rumkroch, natürlich nicht eingezeichnet… Naja, nach dieser Extrarunde beschloss ich, den kürzesten Weg Richtung Auto zu wählen, da meine Uhr auch schon eine ordentliche Kilometerzahl anzeigte (die Strava-App auf meinem Handy war zu dem Zeitpunkt auch schon ausgestiegen.. wieso sollte auch mal etwas funktionieren!! :D). Gedacht, getan. Ich guckte mir auf der Karte den direktesten Weg aus und folgte dem echt wunderschönen Singletrail. Bis er auf einmal weg war. Verzweifelt versuchte ich, dem Pfad auf meiner Karte weiterzufolgen, rutschte einen Hang herunter, fand mich mit dem eskalierenden Hund mitten in einer Wildschweinrotte wieder, nur um einen weiteren Hang später vor einer Straße zu stehen. Und vor einem Fluss. Ohne Brücke.
Nachdem ich am Fluss 15 Minuten auf und ab gelaufen war und nach wie vor keine Brücke zu finden war, schaute ich Kenai an und meinte nur: „Ja, schön. Da müssen wir jetzt wohl durch.“ Da ich so gar keine Lust hatte, meine Kompressionssocken jetzt auch noch aus- und wieder anzuwürgen, blieb ich einfach, wie ich war und sprang dem wasserscheuen Kenai, der entgegen aller Erwartungen nach kurzem Zögern mit einem lauten Platsch im Fluss landete, hinterher. Und da stand ich dann. Bis über’s Knie im eiskalten Fluss.

Die restliche Stunde bis zum Auto verbrachte ich dann eben nassen Fußes… und zu meinem Glück auch noch die Rückfahrt, da ich intelligenterweise ErsatzSOCKEN, aber keine Schuhe eingepackt hatte. Wer ahnt auch, dass ich survivalmäßig durch Flüsse renne?!
Auf jeden Fall kamen wir dann nach knapp 4 Stunden und 29,2 Kilometern (sagt meine Uhr…keine Ahnung, wie präzise das ist) wieder an unserem Startpunkt an. Der innere Monk in mir, der jetzt eigentlich auf die Weiterführung der Tour bis zum Erreichen der magischen 30km-Marke bestanden hätte, blieb auch sehr ruhig. Ich muss sagen, dass das Rennen und die Weite der Strecke (meine bisher längste Tour waren 26 km) das geringste Problem an diesem Tag waren; ich hatte aber durch die Kombination aus Panik vor’m Verlaufen, genervtem-andauernd-auf’s-Handy-Schauen und der ganzen Missgeschicke wirklich die Nase voll.

Was ich von meinem Trailerlebnis mitgenommen habe:

  1. Route selber planen und kennen ist wichtig
  2. Auf den Wegen bleiben + Wenn der Weg aufhört, dreh‘ halt wieder um!!
  3. Vielleicht wäre ein GPS-Uhr mit gespeicherter Route eine tolle Idee
  4. Wechselschuhe sind aus nun offensichtlichen Gründen wichtig
  5. Kamera beim Trailrunning nicht mitnehmen, ich halte eh nicht an 😀

Und weil das alles so chaotisch war und ich an dem Tag meine Kamera im Rucksack auch nur 4 Stunden spazieren getragen habe, ohne auch nur ein Foto zu machen, wiederholten wir die Runde am Samstag einfach nochmal zusammen mit meinem Freund wandernd und fotografierend. Und routentechnisch etwas besser vorbereitet. Deswegen kann ich euch hier nun auch eine vollständige Route präsentieren, ohne Umwege, Schleifen, Abhänge und Flüsse.

Beim zweiten Mal sind wir dann auch am Labyrinth vorbeigekommen. So einen coolen Ort habe ich wirklich selten gesehen… ein riesengroßer Abenteuerspielplatz!

Ich hoffe, ich konnte euch hiermit ein bisschen unterhalten!

Wilde Grüße, Vanessa

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.