April, April … Winterüberraschung im Bielatal

Es kommt immer anders als man denkt.

Dieser wirklich furchtbar klischeehafte Satz hat sich am letzten Wochenende wieder einmal bewahrheitet. Anlässlich meines alljährlichen Alterns (und des dieser Tatsache geschuldeten Fluchtreflexes) ging es für uns am 16. April 2021 wieder einmal ins Elbsandsteingebirge, das zweite Mal in diesem Jahr. Beim letzten Mal hatte ich mir ja so sehr Schnee gewünscht und entgegen aller Erwartungen auch tatsächlich bekommen; dieses Mal war ich schon voll in Frühlingsstimmung und hätte aufgrund des herrlichen Wetters in unserer ja nicht sooo weit entfernten Heimat auch mit keiner Silbe daran gedacht, dass es in der Sächsischen Schweiz anders aussehen könnte!

Angekommen im Bielatal war die Überraschung groß: Schnee. Viel Schnee!

Wo ich beim letzten Mal noch in heller Begeisterung ausgebrochen bin, war ich jetzt gar nicht mehr sooooo glücklich… schließlich hatte ich dieses Jahr ja schon so viele Winterbilder gemacht! Luxusprobleme. Ich weiß.

Jedenfalls lagen die Grödel, wie auch schon beim letzten Mal, gut verpackt zu Hause im Schrank und wir begaben uns in das rutschige Vergnügen. Die Zufahrt zur Ottomühle war wegen Bauarbeiten gesperrt, deswegen parkten wir recht weit im Ort (Parkplatz an der Kreuzung Königsteiner Straße/ Schweizermühle).

Unser Weg führte uns zuerst an einigen kleineren Aussichten vorbei (Berthablick, Kleine Bastei), durch den Wald, ein Stück entlang einer Straße und dann in den “richtig felsigen Teil” des Bielatals.

Das erste kleinere Highlight war dabei die Kaiser-Wilhelm-Feste. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick ins Tal und die kleine Baude an sich ist ein lohnendes Fotomotiv.

Hier trafen wir auch die einzigen beiden Menschen des Tages – aufgrund des Wetters und des Wochentages also wirklich eine sehr coronasichere Tour.

Worauf ich mich aber besonders freute, kam direkt danach: die Herkulessäulen. Gerade mit dem Schnee und Nebel ergab sich eine unglaubliche Stimmung! Die Wege durch die vielen Felsentürme sind wirklich etwas ganz besonderes. Manchmal zwängten wir uns durch Felsspalten, mal muss man ein bisschen kraxeln… einfach ein Gebiet, in dem man sich so richtig austoben kann.

Im Sommer trifft man im Bielatal immer viele Kletterer, die das Gebiet auch zu schätzen wissen und ich beneide jedes Mal jeden einzelnen von ihnen!

So wunderschön die Landschaft mit der Schneedecke auch aussah – sie machte meine Pläne ganz schön zu Nichte. Eigentlich hatte ich geplant, auf ebensolchen kleinen Pfaden weiterzuwandern, von Aussicht zu Aussicht, von Highlight zu Highlight. Allerdings kamen wir wirklich nur sehr langsam vorwärts — der matschige Schnee sorgte dafür, dass wir uns (da ja leider wieder ohne Grödel!!) nur schlitternd fortbewegten und Abstiege waren dadurch eine riesige Herausforderung. Auch an Aussichten oder geschweige denn über Leitern hätte ich mich unter den Voraussetzungen nicht getraut, zumal wir die Tour auch schon aus den Vorjahren kannten.

So entschieden wir uns, unsere Wanderung in der “Light-Version” fortzuführen, auf den Hauptwegen und überwiegend durch den dichten Wald bis zu unserem Tagesziel: der Grenzplatte.

Die Grenzplatte erreicht man wie aus dem Nichts: gerade stapfen wir noch durch den Wald und im nächsten Moment stehen wir auf dem großen Plateau, das steil über dem vor uns liegenden Tal aufragt und sich direkt auf der Grenze zu Tschechien befindet. Eigentlich sieht man von hier aus das kleine tschechische Dorf Ostrov und den Hohen Schneeberg. An diesem Tag konnten wir aber nicht weiter als zu den direkt vor uns liegenden Felsnadeln schauen, so dicht war die Nebelwand.

Von hier aus kann man, wenn der Grenzübertritt nicht gerade durch Corona erschwert wird, auch noch weiter wandern. Die Tyssaer Wände sind ein wirklich lohnendes Ziel, das wir uns vor 2 Jahren bereits erwandert haben und das einen Besuch definitiv wert ist.

An diesem Tag stellte die Grenzplatte jedoch unseren Wendepunkt dar. Zurück ging es ein Stück über den wirklich wunderschönen Forststeig. Irgendwann mussten wir ihn jedoch verlassen und von da an gestaltete sich die Wegfindung durch den Schnee eher schwieriger. Deshalb kann ich ab hier leider auch nicht mehr mit einer Tourbeschreibung dienen. Nur so viel: irgendwie landeten wir nach einer Weile durch Zufall am Eingang der Bennohöhle, einer 35 Meter langen und 13,5 Meter tiefen und zugänglichen Höhle, die ich schon lange auf meiner Liste hatte. Natürlich hatten wir auch die Stirnlampe nicht im Rucksack (wir waren an dem Tag top ausgerüstet, merke ich gerade! :D) und die Handyfunzel reichte nicht aus, um die endlos scheinende Dunkelheit zu durchdringen. Nach einem letzten rutschigen Abstieg waren wir dann irgendwann wieder im Tal und kehrten auf dem Hauptweg wieder zurück zum Auto.

Obwohl der Tag so ganz anders verlief als geplant, war es wirklich schön. Vor allem konnten wir mal die absolute Ruhe und Einsamkeit genießen und hatten das Bieletal gefühlt fast nur für uns. Und jetzt habe ich auch einen Grund, um schnellstmöglich wieder her zu kommen… der Rest meiner geplanten Tour möchte ja schließlich auch noch erwandert werden 😉

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