Auf neuen Wegen - Klettern und Boofen im Elbsandsteingebirge

"Passion is energy. Feel the power that comes from focusing on what excites you."
Oprah Winfrey

Alle, die mich kennen, können es vielleicht bestätigen: ich bin Expertin darin, mich für vieles viel zu sehr zu begeistern, Feuer zu fangen und immer unbedingt alles machen zu wollen. Und so stehe ich vor der fast aussichtslosen Situation, einfach viel zu viele Leidenschaften, Interessen und Sehnsüchte in mir zu tragen, aber einfach nicht genügend Zeit zu haben, sie alle zu verwirklichen.

Am letzten Wochenende konnte ich mir aber einen lange gehegten Wunsch erfüllen:  wir waren klettern!

Seit ich 2015 das erste und bisher leider auch einzige Mal die Möglichkeit hatte, die Gipfel auf diese noch viel spektakulärere Weise zu erreichen, hat mich das kaum wieder losgelassen. Ich erwische mich seither nicht selten dabei, wie ich etwas wehmütig und neidisch den Kletterern im Elbsandsteingebirge hinterherschaue und wünschte stets, das auch als mein Hobby bezeichnen zu können. Leider hat es seit diesem ersten Mal nur für ein bisschen bouldern ab und zu in der Halle und das jährliche Kinoerlebnis von „ReelRock“ gereicht. Umso begeisterter war ich als sich nun die Möglichkeit ergab, endlich mal wieder selbst aktiv zu werden. Gemeinsam mit einem Kletterführer ging es am Samstag ins linkselbische Gebiet der sächsischen Schweiz, genauer gesagt zum Rauenstein. Bisher hatte ich diesen Tafelberg nie so wirklich auf dem Schirm, weil wir meist eher größere Wandertouren in Angriff nehmen und der Rauenstein mir durch seine fast einzeln stehende Lage irgendwie nicht lohnend genug erschien. Meine Meinung sollte sich aber schnell ändern. Zum Klettern war es dort wahrlich das Paradies!

Und auch ansonsten gab es hier alles, was ich so am Elbsandsteingebirge liebe: Felsen, Schluchten, Wald und umwerfend schöne Aussichten.

Kenai war natürlich auch dabei und versuchte sich zwangsläufig als Kletterbegleithund. Im Schatten einiger Bäume fristete er an diesem Tag ein zugegebenermaßen etwas langweiliges Schicksal während wir da in der Wand turnten, aber er akzeptierte es nach einer Weile anstandslos, machte es sich am Fuße der Felsen gemütlich und erntete auch von anderen Kletterern immer wieder versöhnlich stimmende Kuscheleinheiten. Das Klettern an sich hat wirklich viel Spaß gemacht. Natürlich haben wir uns bei diesem verspäteten zweiten Mal nur im leichtesten Schwierigkeitsgrad bewegt, aber es war wirklich eine tolle Erfahrung. Von den kleinen Klettergipfeln am und rund um den Rauenstein hatte man immer wieder einen tollen Ausblick hinüber zur Bastei und konnte beobachten, wie sich die Menschen dort gegenseitig auf die Füße treten…. doch, da war ich mir mal wieder ziemlich sicher, alles richtig gemacht zu haben. Und beim anschließenden Abseilen sowieso… das ist für mich eh der beste Teil!

Mein persönliches Highlight war eine Tour am Rauensteinturm, bei der es zuerst einen Riss entlang nach oben ging und wir uns anschließend in eine Felsspalte abseilten.

Das Gebiet um den Rauenstein wollen wir unbedingt auch noch einmal wandernd erkunden. Über den Rauenstein soll ein aussichtsreicher Gratweg führen und ganz in der Nähe sind auch noch die Bärensteine — also ganz so klein wie “befürchtet” wird die Runde dann doch nicht… Und ich musste wider feststellen: egal, wie oft wir doch im Elbsandsteingebirge unterwegs sind… ich entdecke jedes Mal neue tolle Ecken!

Anschließend ging es für uns aber nicht nach Hause. Stattdessen machten wir uns nun auf den Weg ins Kirnitzschtal.
Dort angekommen, schulterten wir unsere großen Rucksäcke und machten uns auf zu einem ganze besonderen Abenteuer: wir wollten endlich mal wieder boofen.

Auf der Website des Nationalparks steht dazu Folgendes geschrieben:

„Im Nationalpark ist es verboten zu zelten oder im Freien zu übernachten. Nur wenn dies in unmittelbarem Zusammenhang mit der Ausübung des Klettersports erfolgt und der Schutzzweck des Nationalparks nicht beeinträchtigt wird, ist es möglich, an 58 gekennzeichneten Freiübernachtungsstellen (Boofen) im Freien zu übernachten.“

Auch hier ist unser letztes Mal schon viel zu lange her… seit wir Kenai haben, sind wir auch keine Klettersteige mehr gegangen und das Boofen blieb uns und ihm bisher verwehrt.
Umso mehr freute ich mich jetzt über dieses Privileg. Denn das ist es wirklich. Wo hat man sonst die Möglichkeit, einfach (legal) in einem Nationalpark zu übernachten? Ich hoffe, dass dies auch in Zukunft noch möglich sein wird, wurde die ganze Sache in der Vergangenheit doch vermehrt von nicht ganz so naturverbundenen Zeitgenossen ganz schön ausgenutzt…
Naja, jedenfalls machten wir uns auf den Weg in Richtung unserer Wunschboofe und auch der aufgekommene Regen konnte uns nicht ausbremsen. Viel mehr wurde ich mit jedem Schritt aufgeregter, da sich im Tal überall wunderschöne Nebelschwaden abzeichneten. Leider war unsere Wunschboofe schon belegt und Zeit für die Suche nach einer Neuen blieb erst einmal nicht – dem Fotografenherz war in diesem Moment mal wieder alles andere egal und so stolperten wir mit unseren großen Rucksäcken durch den Wald auf der Suche nach einer passenden Aussicht. Und was wir anschließend erlebten, übertraf all’ meine Vorstellungen. Wir fanden eine schöne Aussicht und konnten kaum fassen, welcher Anblick sich uns dort bot: um Falkenstein und Schrammsteine türmten sich die Wolken auf, auch über der Kirnitzsch hing ein weißes Band und der Himmel schien in Flammen zu stehen. Ich habe schon so viele Sonnenauf- und -untergänge in der Sächsischen Schweiz erlebt, aber dieser hier war bisher wirklich mit Abstand der atemberaubendste!

Keine Worte und auch keine Bilder könnten je angemessen beschreiben, was für ein unfassbares Naturschauspiel wir an diesem Abend miterleben durften.

Nachdem das Schauspiel vorbei und wir gefühlt wieder ein Stück weit in der Realität angekommen waren, suchten wir uns dann endlich auch eine alternative Schlafmöglichkeit. Die Wahl fiel  auf die große Boofe in der Nähe des Carolafelsens. Auch hier waren schon ein paar Leute, aber wir waren zu müde, um uns noch weiter auf die Suche zu begeben und die Boofe bot genug Platz, um sich ein bisschen aus dem Weg zu gehen. So schlugen wir etwas abseits nur schnell unser Lager auf, kuschelten uns bei unerwartet kalten Temperaturen alle drei aneinander und schliefen bis zum nächsten Morgen nach 8 Uhr! Wirklich kaum zu glauben, dass ich unter freiem Himmel besser und länger schlafe als im eigenen Bett… 😀 Nur einmal wurden wir von einem Vogel geweckt, der in einem Baum über unseren Köpfen saß und mitten in der Nacht ein paar laute Rufe von sich gab…

Ansonsten war es wieder einmal eine wunderschöne Erfahrung. Das Beste ist, morgens von den puren Geräuschen der Natur geweckt zu werden und dann aufstehen und einfach weiterwandern zu können. Nach einem Frühstück im Schlafsack statteten wir unserer geliebten Idagrotte noch einen Besuch ab und tauschten zurück im Tal unsere schweren Rucksäcke  gegen unser leichtes Tagesgepäck.

Für den weiteren Tag hatten wir uns zwei eher unbekanntere Punkte vorgenommen: den Arnstein und die Kleinsteinhöhle. Auch das war wieder eine tolle und vor allem für uns ganz neue Tour. Der Arnstein als einstiger Standort des Ottendorfer Raubschlosses bietet einige versteckte Besonderheiten… Höhlen, schmale Felsspalten, eine alte Zisterne, Malereien im Fels… und natürlich einen tollen Ausblick und mal eine etwas anderen Perspektive über die Sächsische Schweiz. Auch die Kleinsteinhöhle und der schmale Abstieg von der Kleinsteinaussicht haben mich wieder einmal begeistert. Ich kann auch diesen Teil der sächsischen Schweiz wärmstens empfehlen, vor allem auch, weil selbst Sonntagnachmittag dort kaum andere Wanderer unterwegs waren.

Und bei den Kletterern, die wir dort in der Kleinsteinhöhle beobachten konnten, wurde ich direkt wieder sehnsüchtig……..Ich hoffe, das nächste Mal lässt nicht wieder so lange auf sich warten!

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